Apotheken sind Teil der kritischen Infrastruktur: Wirtschaftliche und verlässliche Finanzierung notwendig

(Magdeburg, 25. Februar 2026). „Wir sind angesichts der weiterhin hohen Zahl von Apothekenschließungen zutiefst besorgt, wie wir die Versorgung unserer Patientinnen und Patienten in Krisenzeiten absichern können“, erklärt Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. Denn während die Landesregierung die Widerstandsfähigkeit Sachsen-Anhalts gegenüber Krisen und Katastrophen stärken will, leidet die wohnortnahe Arzneimittelversorgung. Ministerpräsident Sven Schulze betonte bei der Vorstellung eines geplanten Resilienz-Stabes am 17. Februar 2026, Ziel sei es, das Land auch in Krisenzeiten handlungsfähig zu halten, kritische Infrastrukturen zu schützen und Vorsorge ressortübergreifend zu koordinieren.

„An diesem Punkt sehen wir dringenden Handlungsbedarf. Die Gesundheitsversorgung mit Arzneimitteln ist ein zentraler Bestandteil der kritischen Infrastruktur. Ohne eine stabile und flächendeckende Apothekenstruktur ist eine wirksame Krisenvorsorge nicht denkbar“, betont der Präsident. „Doch bisher scheinen wir in diesen wichtigen Überlegungen nicht eingebunden zu sein.“

Apotheken leisten heute weit mehr als die Abgabe industriell gefertigter Arzneimittel. Jede Apotheke ist gesetzlich verpflichtet, ein Labor vorzuhalten und verfügt über hochqualifiziertes pharmazeutisches Personal. Im Labor werden individuelle Rezepturen wie Salben, Kapseln, Zäpfchen oder Lösungen nach ärztlicher Verordnung hergestellt. Auch Defekturen, also vorproduzierte Arzneimittel in kleineren Chargen, gehören zum Leistungsspektrum. Bei Lieferengpässen industrieller Arzneimittel – etwa bei Fiebersäften für Kinder – können Apotheken fehlende Medikamente selbst herstellen. Vorausgesetzt, die dafür notwendigen Wirkstoffe sind verfügbar. Vereinzelte Apotheken fertigen in speziell ausgestatteten Reinräumen sogar sterile Zubereitungen wie Augentropfen oder Krebsmedikamente für die ambulante Versorgung an.

Dr. Münch: „Unsere Apotheken schließen Versorgungslücken, wenn industrielle Lieferketten gestört sind. Als Beispiel sei an die Herstellung von Desinfektionsmitteln erinnert, als die industriell hergestellten während der Corona-Pandemie nirgendwo mehr zu beschaffen waren. In diese Lücke konnten wir kurzfristig einspringen. Wir können dazu beitragen, auch unter erschwerten Bedingungen, die Arzneimittelversorgung abzusichern.“

Die Expertise der Apothekerinnen und Apotheker im Bereich Arzneimittelsicherheit, Lieferengpassmanagement, Notfallherstellung und Bevorratung sollte aus Sicht der Kammer zwingend in eine ressortübergreifende Krisenvorsorge eingebunden werden. Apotheken sind wohnortnahe, niedrigschwellige Anlaufstellen für die Bevölkerung und übernehmen bereits heute in Ausnahmesituationen eine zentrale Rolle. „Wir stehen bereit, diese Verantwortung auch strukturell im Krisenmanagement des Landes zu übernehmen.“

Gleichzeitig weist die Apothekerkammer auf einen politischen Widerspruch hin. Während die Stärkung der Resilienz immer mehr als eine dringende Notwendigkeit betont wird, verschlechtern sich seit Jahren die wirtschaftlichen Rahmenbedingungen für Apotheken. Steigende Personal-, Energie- und Sachkosten, zunehmende Bürokratie sowie eine seit Langem nicht angepasste Vergütung führen dazu, dass immer mehr Apotheken schließen müssen. „Jede einzelne Schließung schwächt jedoch die flächendeckende Versorgung und damit die Krisenfestigkeit des Landes“, betont Kammerpräsident Dr. Münch.

Resilienz entsteht nicht allein durch politische Beschlüsse, sondern durch stabile Strukturen und eine verlässliche Finanzierung. Wer die Widerstandsfähigkeit des Landes stärken will, muss die Apotheken als Teil der kritischen Infrastruktur stärken. Die Apothekerkammer fordert daher den Erhalt der bewährten Apothekenstrukturen sowie eine auskömmliche und nachhaltige Finanzierung, damit die wohnortnahe Arzneimittelversorgung auch künftig gewährleistet bleibt. Nur wirtschaftlich stabile Apotheken können ihre Laborkapazitäten, ihre Notfallkompetenz und ihre personellen Ressourcen dauerhaft aufrechterhalten und damit einen unverzichtbaren Beitrag zur Sicherheit und Stabilität leisten.


Foto: Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt
Quelle: Katrin Pohl/AKSA

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