(Magdeburg, 14. Januar 2026). „Unsere wohnortnahen Apotheken sind eine unverzichtbare Säule der Gesundheitsversorgung. Sie gewährleisten die sichere und fachkundige Abgabe von Arzneimitteln, leisten umfassende Beratung und übernehmen zahlreiche Gemeinwohlpflichten. Um diese Aufgaben auch künftig flächendeckend erfüllen zu können, braucht es jedoch eine auskömmliche Honorierung und eine stärkere Zusammenarbeit aller Akteure im Gesundheitswesen.“ Das erklärte Mathias Arnold, Vorsitzender des Landesapothekerverbandes Sachsen-Anhalt (LAV) anlässlich des Neujahrsempfangs der Heilberufler Sachsen-Anhalts am 14. Januar 2026 in Magdeburg.
Die Versorgung mit Arzneimitteln ist immer mit der notwendigen Beratung verbunden und deshalb eine heilberufliche Leistung. Die Beratung dient der richtigen Anwendung, der Vermeidung von Fehlanwendungen sowie dem Schutz der Patientinnen und Patienten vor Risiken und Wechselwirkungen. „Unsere derzeitige Vergütung berücksichtigt in keiner Weise die erheblichen Kostensteigerungen der vergangenen Jahre. Eine solide Finanzierung ist jedoch Voraussetzung dafür, dass Apotheken ihre Aufgaben weiterhin zuverlässig wahrnehmen und darüber hinaus präventive Angebote anbieten können, die langfristig Kosten im Gesundheitssystem sparen“, führte Mathias Arnold aus.
„Apotheken leisten deutlich mehr, als Arzneimittel abzugeben. Selbst rezeptfreie Medikamente sind hochwirksame und potenziell riskante Produkte, deren Anwendung fachlich begleitet werden muss. Apothekerinnen und Apotheker hinterfragen Eigendiagnosen, weisen auf Risiken hin, empfehlen gegebenenfalls nicht-medikamentöse Behandlungsoptionen oder verweisen an Ärztinnen und Ärzte. Diese individuelle Beratung findet im persönlichen Gespräch statt – sie kann weder an der Kasse eines Drogeriemarktes noch durch einen Online-Algorithmus ersetzt werden“, ergänzt Dr. Jens-Andreas Münch, Präsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. „Und noch etwas darf man nicht vergessen. Nur ein flächendeckendes Netz wohnortnaher Apotheken gewährleistet auch in Krisenzeiten eine hohe Versorgungssicherheit.“
Vor-Ort-Apotheken geraten zunehmend unter wirtschaftlichen Druck. Versandapotheken aus dem EU-Ausland nutzen rechtliche Unterschiede zwischen den Mitgliedstaaten aus. Während in Deutschland strenge Vorgaben wie Rabattverbote und Sortimentsvorgaben gelten, konzentrieren sich ausländische Anbieter auf wirtschaftlich attraktive Segmente wie nicht verschreibungspflichtige Arzneimittel und Dauermedikationen. „Die kostenintensiven Gemeinwohlpflichten – etwa Nacht- und Notdienste, Rezepturherstellungen, persönliche Beratungen und pharmazeutische Dienstleistungen – verbleiben hingegen bei den Apotheken vor Ort“, beschreibt Präsident Dr. Münch die derzeitige Schieflage.
Diese Pflichten werden bislang in der Apotheke über eine Mischkalkulation finanziert. Gerät dieses System aus dem Gleichgewicht, können die Leistungen nicht mehr in der erforderlichen Qualität und Quantität erbracht werden. Inzwischen schließen insbesondere in ländlichen Regionen immer mehr Apotheken, weil sie nicht mehr ausreichend finanziert sind. Die Folge sind längere Wege für Patientinnen und Patienten und eine Gefährdung der patientennahen und flächendeckenden Akut- und Notfallversorgung.
Um die Arzneimittelversorgung in Deutschland nachhaltig zu sichern, braucht es daher eine angemessene Honorierung der heilberuflichen Leistungen der Apotheken, verlässliche Kooperationen im Gesundheitswesen und faire Wettbewerbsbedingungen. Nur so kann gewährleistet werden, dass alle Menschen – unabhängig von Wohnort und Einkommen – auch in Zukunft den notwendigen Zugang zu Arzneimitteln mit qualifizierter Beratung haben.
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