Magdeburger Medizinstudenten in der Sonnen-Apotheke

(Apothekerkammer S-A, 29. Oktober 2018). „Teilen Sie mal eine Tablette. Oder versuchen Sie, sich Augentropfen ins Auge zu tropfen, ohne das etwas daneben geht. Selbst Flaschen lassen sich durch den Sicherheitsverschluss nur sehr schwer öffnen. Und nun stellen Sie sich vor, Sie sehen nicht mehr richtig und Ihre Hände sind steif. Da fällt es einem wirklich schwer, diese Dinge zu tun.“ Mit diesen Beispielen schärfte Dr. Lars-Alexander Mohrenweiser, Inhaber der Sonnen-Apotheke in Magdeburg, bei Carolin Riemenschneider und Susanne Lübke den Blick für Probleme, die alte Menschen hinsichtlich einer richtigen Arzneimitteleinnahme begleiten.

Hintergrund seiner Ausführungen ist ein Exkurs von Medizin-Studenten des 9. Semesters in die Apotheke am 23. Oktober 2018. Im Querschnittsbereich „Medizin des Alterns und des alten Menschen“, koordiniert vom Institut für Allgemeinmedizin der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg kooperiert das Institut mit verschiedenen Trägern der ambulanten Versorgung, so auch mit der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt. Dr. Lars-Alexander Mohrenweiser ist Vizepräsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt und organisiert insgesamt elf Besuche mit jeweils zwei Studenten in drei Magdeburger Apotheken bis Ende Januar 2019.

Im Mittelpunkt der Exkursion steht die medikamentöse Versorgung älterer und alter Menschen in der Apotheke und welchen Schwierigkeiten diese Patienten gegenüber stehen. Zum Beispiel eine korrekte Dosierung ihrer verordnenden Arzneimittel hinzubekommen. „Allein das Beispiel Augentropfen verdeutlicht, wie schwer es ist, ohne Verluste zu träufeln. Kommt es doch zu Tropfverlusten, reicht ein Fläschchen nicht für die vorgesehenen 28 Tage aus. Dann müssen die betroffenen Patienten beim Augenarzt teilweise betteln, dass die benötigten Augentropfen erneut verschrieben werden. Dosierhilfen können hier beispielsweise Abhilfe schaffen“, erläuterte Dr. Mohrenweiser seinen studentischen Gästen. Und fügte ein weiteres Beispiel an. „Nicht alle Tabletten eignen sich für eine Teilung. Teilweise sind die Wirkstoffe nicht gleichmäßig in der Tablette verteilt oder beim Teilen zerbröseln die Tabletten. Da wäre es einfacher, die Ärzte verordneten gleich die notwendige Wirkstoffstärke. Dann kann dann nichts schief gehen.“ Hinsichtlich anzufertigender Rezepturen empfiehlt er eine enge Kooperation von Ärzten und Apothekern. Die Apothekenmitarbeiter haben in der Herstellung die notwendigen Erfahrungen und können in Absprache mit dem Arzt die Rezeptur so verändern, dass sie optimal auf den Patienten abgestimmt wird.

„Für mich war es sehr interessant, mal hinter die Kulissen der Apotheke zu blicken. Bisher kannte ich sie nur als Patient. Speziell die Probleme, die alte Menschen mit verordneten Arzneimitteln haben, waren bisher nicht so sehr im Fokus unserer Ausbildung. Darum war dieser Besuch sehr hilfreich“, erklärte Susanne Lübke.

Dr. Mohrenweiser stellte viele Hilfen vor, die den Alltag erleichtern. Beispielhaft genannt sei die 3. Hand, mit der alleinstehende Personen Salben auf dem Rücken verteilen können. Oder Anziehhilfen für Kompressionsstrümpfe und Spritzen statt Dosierlöffel für Antibiotikasäfte. Carolin Riemenschneider, die später gern als Allgemeinmedizinerin arbeiten möchte, konnte viele neue Aspekte in ihr weiteres Studium mitnehmen. Obwohl sie bereits als Schülerin ein zweiwöchiges Praktikum in der Apotheke absolviert hatte, lernte sie jetzt neue Aspekte zu Neben- und Wechselwirkungen von Arzneimitteln kennen. „Ich finde es gut, den Arbeitsalltag eines Apothekers kennen zu lernen. Denn im Berufsleben werden wir doch zahlreiche Schnittmengen haben. Und da hilft dieser Blick hinter die Kulissen, gerade mit dem Augenmerk auf ältere Patienten. Diese bedürfen einer besonderen Hingabe und Zuwendung. Und da erhält ein Apotheker schneller eine Rückkopplung, wenn etwas mit den verschriebenen Arzneimitteln nicht stimmt.“

Dr. Mohrenweiser unterstrich: „Wir greifen nicht in die Therapiehoheit der Ärzte ein. Aber gerade bei älteren Menschen oder auch bei Patienten, die viele unterschiedliche Medikamente einnehmen müssen, ist eine enge Verzahnung von medizinischem und pharmazeutischem Wissen im Sinne des Patientenwohls sehr hilfreich.“ Ein erster Pflock einer künftigen engen Verzahnung wurde mit dem studentischen Besuch eingeschlagen.

Medizinstudenten

Bild 1: v.l. Carolin Riemenschneider, Susanne Lübke und Dr. Lars-Alexander Mohrenweiser