Hürden und Fallstricke im Umgang mit Arzneimittelrezepten

(Apothekerkammer S-A, 27. Oktober 2017). Warum ist die Apotheke häufig gezwungen in einer Arztpraxis anzurufen, wenn es lediglich um formelle Fehler bei der Rezeptausstellung geht? Kann der Apotheker diese Probleme nicht eigenständig lösen und den Ärzten viel Zeit ersparen? „Eindeutig nein. Die Spielregeln sind klar vorgegeben. Wenn wir Apotheker uns nicht daran halten, dann droht uns eine Null-Retaxation. Darum werbe ich hier für Ihr Verständnis, wenn wir uns immer wieder mit banal erscheinenden Fragen an Ihre Arztpraxis wenden müssen“, erklärte Dr. Lars Mohrenweiser, Inhaber der Sonnen-Apotheke in Magdeburg. Er folgte einer Einladung der Ärztekammer und Kassenärztlicher Vereinigung Sachsen-Anhalt, die am 25. Oktober 2017 im Bauhaus Dessau eine Fortbildung für Ärzte organisiert hatte. Etwa 40 Ärzte hörten den Ausführungen des Apothekers aufmerksam zu, der zugleich approbierter Arzt und Vizepräsident der Apothekerkammer Sachsen-Anhalt ist.

Das Abrechnen von Arzneimittelrezepten hat heute zahlreiche Hürden und Fallstricke zu überwinden. „Wir Apotheker sind angehalten, sehr genau auf jedes Detail zu achten. Schon kleine formelle Fehler führen zur Retaxation seitens der Krankenkassen. Bei Arzneimitteln, die im drei- oder vierstelligen Euro-Bereich liegen, kann es sich keine Apotheke leisten, auf die Erstattung zu verzichten. Darum prüfen wir so genau und nerven vielleicht manchmal mit unseren Korrekturwünschen in den Arztpraxen“, erklärte der Praktiker den anwesenden Ärzten. Dr. Mohrenweiser ging detailliert auf jedes Rezeptfeld ein. Anhand einer Übersicht zeigte er häufig auftretende formelle Fehler, die immer einer Korrektur bedürfen, um Retaxationen zu vermeiden. Auch das Thema Arzneimittelsubstitution und Rabattverträge besprach der Praktiker ausführlich. Er zeigte den anwesenden Ärzten Probleme auf, die ein Arzneimittelaustausch mit sich bringen kann. Dabei wurden auch Punkte wie sensible Wirkstoffe, Packungsgrößen, Arzneiformen und Teilbarkeiten besprochen. Er wies die Ärzte darauf hin, wie wichtig zusätzliche Details (Dosierungshinweise, Einnahmedauer) auf dem Rezept sind. Nur mit diesen Informationen ist der Apotheker oft erst in der Lage zu entscheiden, ob ausgetauscht wird oder nicht.

Die Problematik um verordnete Reimporte erörterte Dr. Mohrenweiser ebenfalls. Die schlechte Lieferfähigkeit der Reimporte führt in den Apotheken zu einem erhöhten bürokratischen Mehraufwand. Die Lösung dieser Probleme bedarf fast immer einer Rücksprache mit dem Arzt. An Beispielen verdeutlichte der Praktiker, wie sich dieser Mehraufwand vermeiden lässt, der Arzt trotzdem wirtschaftlich verordnet und der Apotheker dennoch seine Reimportquote erfüllen kann. Anschließend gab Dr. Mohrenweiser den Ärzten einen Einblick in das Management von Arzneimittelinteraktionen in Apotheken und stellte eine zeitsparende Kommunikationsmöglichkeit zur Lösung dieser Probleme vor.

Diese umfassenden Fakten und Informationen kamen bei den Ärzten sehr gut an und regten zu zahlreichen Nachfragen an. Um eine bessere Kommunikation zwischen den beiden Berufsgruppen zu erreichen, ist der Austausch eine wichtige Grundlage, um mehr voneinander zu lernen und zu wissen. „Gerade hinsichtlich der Wechselwirkungen von Arzneimitteln ist eine gute Kommunikation unverzichtbar. Leider haben bisher nur sehr wenige Patienten einen gut geführten Medikationsplan. Dieser ist aber eine wichtige Arbeitsgrundlage für beide Heilberufsgruppen, um möglichen Neben- und Wechselwirkungen zu begegnen“, so Dr. Mohrenweiser. Am Ende des Vortrages warb er noch einmal für einen kollegialen Umgang beider Berufsgruppen im Sinne des Patientenwohls.

Dr. Mohrenweiser erklärt