Drogen sind wie russisches Roulette

(Apothekerkammer S-A, 19. November 2018). „Bei uns Apothekern sind Kamillenblüten Drogen. Aber warum? Weil es sich um getrocknete Pflanzen handelt, die wir zur Herstellung von Arzneimitteln benötigen. Drogue steht im französischen Sprachraum für trocken. Also getrocknete Blätter, Blüten oder andere Teile. Und da schließt sich der Kreis. Der Begriff Droge steht in der Öffentlichkeit heute zumeist für bewusstseinserweiternde Substanzen, die einen Rausch auslösen. In der Pharmazie jedoch steht der Begriff beispielsweise für Tee und Gewürze.“ Mit diesen Worten leitete Alexander Dathe seinen Vortrag vor 43 Schülern der Sekundarschule „Am Schwanenteich“ in Zeitz ein. Im Rahmen der Drogenprävention an der Schule erläuterte er den Achtklässlern, welche Risiken mit Drogengebrauch einhergehen.

Alexander Dathe ist Inhaber der Schwanen-Apotheke in Zeitz und engagiert im Projekt „Apotheke macht Schule“. In seiner Apotheke versorgt und betreut er regelmäßig bis zu zehn drogenabhängige Patienten in der Substitutionstherapie. „Momentan habe ich wenig zu tun, da viele im Gefängnis sitzen. Denn es gibt keine Wirkung ohne Nebenwirkung. Oder besser gesagt: Wo Licht ist, ist auch Schatten, denn der Ausstieg fällt schwer.“ Der Pharmazeut zeigte deutlich die Risiken auf, die mit den Konsum jeglicher Drogen einhergehen. So erklärte er, dass illegal erworbene Drogen häufig gestreckt oder verunreinigt sind. Aber auch die chemische Zusammensetzung verändere sich regelmäßig. Da komme dann kein Testverfahren hinterher, wenn jemand zusammengebrochen in der Notaufnahme liegt und die Ärzte raten müssen, mit welchen Substanzen sich der junge Mensch dem Rausch hingegeben hat.

Sein plastisches Beispiel eines Drogenabhängigen brachte seine jungen Zuhörer dann sehr in Erstaunen: „Dieses Drogenopfer hatte noch nach seinem Tod eine Körpertemperatur von 44 Grad Celsius. Der hat sich quasi selbst gekocht.“ Oder die Bilder von Hautausschlägen Drogenabhängiger. „Diese Frauen und Männer haben das Gefühl, ihnen laufen Armeen von Ameisen unter der Haut lang. Daher kratzen sie sich dann so die Haut auf, dass sich diese entzündet.“ Mit diesen drastischen Bildern startete der Apotheker bei den Schülern ein Kopfkino. Der lebhafte Vortrag entwickelte sich so immer mehr zu einem interaktiven Lehrunterricht über Wirkung und Nebenwirkung berauschender Substanzen. Er beendete seinen Vortrag zur Drogenprävention mit dem Vergleich eines russischen Roulette. Da wisse man auch nicht, wann die Kugel trifft. Und so ist es auch mit dem Drogenkonsum. „Man weiß eben nie, ob die erste Dosis schon süchtig macht oder die vierte oder auch erst zehnte.“

Er wünschte seinen Zuhörern ein gesundes Leben. „Man muss nicht jeden Mist mitmachen. Drogen sollten lieber links liegen gelassen werden, damit man Teil der Gesellschaft ist und nicht außerhalb dieser durchs Leben geht“, gab er den Schülern mit auf den Weg.

A. Dathe mit Achtklässern